Hilflos fett gedruckt

 

Kaum erwacht und abgelenkt durch eine freundlich-ironisch-interessante “Wochenend-Journal”-Sendung über Märchen im Deutschlandfunk, erinnern mich erst die Nachrichten wieder an das Drama von Newton.

 

Natürlich kommt man schlecht an Headlines vorüber, die mit Interviews von Bekannten des Täters locken: “Er war sehr still, einbisschen unsicher”.

Nur, wie so oft in solchen Fällen, stellt sich ziemlich bald heraus, dass die ehemaligen Mitschüler oder Freunde von Bekannten der Amokschützen, Täter, Mörder gar nichts berichten können. Fast immer werden die Texte dann auf ein Artikelähnliches Maß aufgebauscht, mit Informationen und Infografiken bepflastert, damit es nicht so auffällt, dass es nichts zu lesen und schon gar nicht zu verstehen gibt.

 

Wohin man auch klickt, um Erklärungen zu bekommen, wird man mit dem ewigen Dilemma konfrontiert: Sprache soll hier etwas transportieren, was sie nicht kann. Selbst wenn die Todesschützen noch am Leben wären, es schöbe sich wahrscheinlich immer wieder eine Flachbildschirm zwischen “den” und “uns”.

 

Allein die Überschriften der – dennoch viel und überall produzierten – schreien dem Leser in Blockbuchstaben fett entgegen: WIR VERSTEHEN ES NICHT! WARUM?

 

ZEIT: USA trauern um die Toten von Newtown, Fotostrecke: “Unsere Herzen sind gebrochen”, Weltweit Entsetzen über Amoklauf.

 

BILD donnert dem Leser “20 Kinder, 6 Erwachsenetot” entgegen und schlägt darunter gleich wieder einen profitablen Bogen zur Sendung “Ein Herz für Kinder” mit Pilawa, der sich selbst leid tut:  “Das wird die schwerste Sendung meines Lebens”.

 

BILD hat ja nach dem Tsunami 2005 auch einem gewissen YvesDantin alias Biesenbach (der seitdem eine Tauchschule in Indonesien mit seiner Freundin aus Jakarta hat) unbesehen Spendengelder für seine nicht existente Hilfsorganisation FIG Indonesia hinterhergeworfen.

Bild: Biesenbach/Dantin beim Anlegen “seines” Kontos in der Bank in Banda Aceh

 

Da Sprache auch diese Empörung über den Fall Dantin und dessen ungeahndeten Spendenbetrugs genauso wenig übermitteln kann, weil es zuviele solcher Fälle gibt, schließe ich diesen Bloggeintrag mit der Rückkehr zum Märchen Sterntaler, gelesen in einem wunderbaren Podcast von der 15jährigen “Hörspiel-Anni”, deren Link ich erst noch ausfindig machen muss.

 

 

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